"Dive To The Top"
Mit dem Heli und Geländewagen unterwegs in den Hochalpen
Es war mal wieder der ersehnte Tag gekommen, wo die neue "UNTERWASSER" in unserem Briefkasten lag und darauf wartete verschlungen zu
werden.
Irgendwann beim Durchstudieren am Abend war ich an einer Seite angelangt, die mir sofort ein "yeah, des war's!" entlockte, und ein Funkeln in die Augen legte, dass nicht zu übersehen war.
Mit dem Helikopter und Geländewagen unterwegs in den Hochalpen zum tauchen, wo noch nie zuvor getaucht wurde.
In Gedanken vertieft, befand ich mich schon mitten im Abenteuer: stellte mir vor wie so etwas ablaufen kö,nnte und ließ meiner grenzenlosen Fantasie ihren Lauf, als
mich eine Stimme in die Gegenwart zurückholte, die mir irgendwie vertraut war. "Haaallo!!, wo bist'n wida? Malediven, Höhlentaucha, oder steht wos neues drin wos sunst net drin steht?!" Andrea, meine
Frau hatte gar keine Ahnung wie Recht sie damit hatte. Ich hielt ihr den Artikel unter die Nase und glaubte nicht was ich da sah! Loderte da nicht gerade ein Flämmchen in ihren Augen auf?!
Tatsächlich, auch Andrea wurde sofort infiziert, dem Altag zu entfliehen und noch einmal was Außergewöhnliches erleben zu können.
Die Rahmenbedingungen der Vorraussetzungen konnten wir alle erfüllen und so waren wir uns einig, dass wir bei diesem Event dabei sein mussten und fingen an die
Bewerbungsunterlagen vorzubereiten.
Als dann so ein kleiner mehrseitiger Klarsichtordner "ready for take - off" fertig war, kamen trotzdem kleine Zweifel auf, ob wir es nicht doch lieber lassen sollten. Schließlich kamen ja noch die
finanziellen Kosten dazu, die nicht gerade wenig waren. Es war ja nicht nur mit dem Startgeld abgetan, sondern unser Dodge Ram brauchte noch neue Schlappen. Also 4 neue Geländereifen ordern, zuzügl.
4 passende Schneeketten und ein Bergungsseil. Da ist man bei einem so großen Off-Roader ein paar Tausender los und das mal eben für'n Wochenende Spaß.
Aber der Abenteuerdrang war stärker und die Bewerbung ging weg.
Das Warten begann!!!
Nach einpaar Wochen kam per Schreiben die Zusage für unsere Teilnahme, die uns schon etwas gröszlig;er werden ließ. Schließlich wurden ja nur 5 Teams aus Deutschland
und österreich zusammen ausgewählt und WIR waren dabei; so dass wirklich Ernst aus der Sache wurde!
Jedes Team, bestehend aus zwei Personen und dem eigenen Wagen wurde mit allen erforderlichen Ausnahmegenehmigungen vom Land Österreich ausgestattet.
Endlich, am 15. Juli 2oo5 war der Tag X!!
Mit unserem frisch gewaschenem, voll getankten (inkl. Reservekanistern in XXL Größe), allem nötigen Tauch - Equipment (zuzüglich Reserveausrüstung), plus
Expeditionsausrüstung (wie Schaufeln, Äxte, Sägen, Keilen, Bergungsgurte, usw.) beladenen Ram Pick Up, ging's endlich on tour.
Nach etlichen Stunden Fahrt sind wir am Abend als zweites Team am Ausgangspunkt angekommen. Nach und nach kamen die anderen Teams dazu, so dass mit der offiziellen Begrüßung durch die Veranstalter
der Event begann.
Es wurde der Ablauf genauestens erklärt und auch auf die Risiken eingehenst hingewiesen. Dem folgte ein Ausrüstungs-Check der Tauchsachen und des Wagens, denn wären am Fahrzeug irgendwo Öl oder
sonstige Flüssigkeiten ausgelaufen, wäre es trotz allem, das Aus für das jeweilige Team gewesen. Denn der Umweltschutz spielte die größte Rolle dabei. Diskussionen hätte es in so einem Fall nicht
gegeben. Doch alle Fahrzeuge waren in einem einwandfreien Zustand. Wir konnten uns alle einem hervorragendem Abendessen mit Diashow widmen, und den Abend gemütlich, aber zum Teil etwas nervös
ausklingen lassen.
HIGH NOON !!!!
Der Morgen begann mit einem, sagen wir mal nicht gerade flugtauglichem Wetter. Es goss aus allen Rohren, gepaart mit starken Nebel der nicht weichen wollte. Immer wieder wurde der Flugwetterdienst
und die Helikopter Crew angerufen, um zu erfahren wie das Wetter sich entwickeln würde. Bleibt der Nebel, kann der Heli nicht starten und der Flug wäre ersatzlos gestrichen worden. Wir hätten uns mit
der Hälfte des Abenteuers zufrieden geben müssen. Dann, endlich das O.K., das Wetter wird besser aber nur für ein paar wenige Stunden. Jetzt musste alles schnell gehen. Wir machten uns auf den Weg
hoch zum Hubschrauber Landeplatz, verstauten unsere Tauchsachen in Kisten, warteten auf den Heli, der sich nicht lange betteln ließ und Aktionmäßig über uns hinweg einflog. Das Transportnetz wurde
mit unserem Gerödel beladen. Der erste Teil der Teilnehmer nahm im Heli platz und schon ging es los. "Wowh" was für ein geiles Gefühl, als sich dann der See vor uns auftat, war das die Krönung des
Gefühlslebens.
Schnell alles entladen, und der Heli holte die zweite Gruppe.
Jeder machte sich zum tauchen fertig und wollte nur noch ins Wasser, um sein persönliches, kleines Abenteuer zu erleben.
Der kleine Bergsee wurde von uns in gut 4o Minuten umrundet. Viel Interessantes gab es nicht zusehen, was soll auch schon großartiges auf 2ooo m Höhe in einem See drin sein der jenseits der
Baumgrenze liegt. Außer Felsblöcken und doch so ein, zwei Baumstämmen aus der Vorzeit, tauchten auf einmal ein paar Fische auf, die vermutlich durch Raubvögel aus anderen Seen "eingeflogen" wurden.
Die Sicht war gut, trotz der starken Regenfälle der Tage zuvor. Da die meisten Teilnehmer mit dem Trocki tauchten, waren die 4°C Wassertemperatur noch das wenigere Problem, sondern die kürzere
Nullzeit hieß es zu beachten, auf Grund der extremen Höhe. Als wir aus dem Wasser kamen hatte sich das Wetter in der Zwischenzeit geändert. Starker Regen mit dicken Schneeflocken vermischt, peitschte
uns auf einmal um die Ohren und da war dann Schluss mit lustig.
Glaubt mir, ein Sturm auf 2ooo m Höhe ist ein klein bisschen anders als zuhause. Ungefähr eine Stunde mussten wir auf den Heli warten, bis er uns wieder von dort oben
abholen konnte und zurück flog ins Tal, wo wir uns alle in einer urigen Hütt'n eine zünftige Brettljausen schmecken lassen konnten.
So gegen 16.30 Uhr sind wir dann aufgebrochen zur OFF ROAD Tour, als unser Dodge meinte er müsse "Mucken" machen. Mit starkem, ekligem Geruch und aufsteigenden weißen Rauchschwaden aus beiden
vorderen Radkästen zwang er uns zum Halten. Da aber die Bremswirkung nicht nachgelassen hatte, entschlossen wir uns, trotzdem weiter zu fahren. Bei der kleinen Fahrt über die Bundesstraße wurden die
Bremsen wieder abgekühlt, so dass alles wieder O.K. zu sein schien.
Der Aufstieg begann.
Wir verließen die Bundesstraße und begannen die Serpentinenstraße hoch zu fahren. Es begann wieder zu Regnen und irgendwann ging der Asphalt in eine Kiesstraße über. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt
über Stock und Stein, ließen wir die Baumgrenze hinter uns und kamen an eine Hütte. Wir dachten alle, dass wir am Ziel angekommen sind, doch falsch gedacht!!
"So, Leute, ab hier beginnt die eigentliche Tour, jetzt geht jeder noch mal Lulu machen, und dann los!!" Der Marschbefehl war eine klare Ansage an das was uns bevor stand, denn ohne Allrad ging jetzt
nichts mehr, definitiv!
Was jetzt an Gelände kam, stellte nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch die Teilnehmer auf die Probe. Also Allrad und Untersetzung rein und ab mit der Luzzi.
Unser Ram Pick Up war das Größte, breiteste und schwerste Fahrzeug von allen und so ging's im Schritttempo nach oben. Die Pfade waren gerade mal so breit wie meine Spurbreite, was sich nicht gerade
positiv auswirkte. Steigungen von über 45 Grad hieß es zu überwinden ohne am Kamm mit dem Fahrzeug aufzusitzen. An einer Haarnadelkurve wär's dann beinahe passiert.
Direkt bei mir an der Fahrerseite war die Felswand und zweieinhalb Meter rechts von mir war nichts mehr außer noch einem schmalen Streifen Geröll. Andrea kam etwas näher an meine Seite gerutscht und
meinte, "sch..., und jetzt? Wia kema jetzt um de Kurv'n rum? Wia mechst des jetzt macha, ohne dass uns glei dabräselt, du woast scho dass do obe geht auf meiner Seit'n?!"
"Des geht scho, muaß geh! Den schramme an da Mauer entlang und an Rest werd hoffentlich da Allrad macha, ansunsten war's des!"
Die Fahrzeuge hinter uns hatten keine Ahnung von unserem Problem, sie sahen nur dass es nicht weiter ging und blieben weit hinter uns stehen.
Meine Adrenalin Ausschüttung glich den Niagara Fällen und mein Fuß drückte das Gaspedal langsam nieder. Kaum setzte sich der DODGE in Bewegung, als auch schon die Felswand "hallo" auf meiner Seite
sagte und Andrea schrie "brems!". Da rutschte der Wagen auch schon hinten weg! "Brems hoit!!!", kam es etwas energisch aus Andreas Mund. "I muaß auf'n Gas bleib'n sunst flian'g ma obe!". Bremsen war
jetzt genau des Vakehrte! Das Geröll wurde von den grob stolligen Geländereifen den Abhang hinunter befördert, als im nächsten Augenblick ein Ruck durch das Fahrzeug ging, und die Reifen festen Halt
gefunden haben wo sie sich einkrallen konnten. Unser Dodge ließ uns nicht im Stich! Die geballte Kraft von 26o "Pferden" und 5,2 Liter Hubraum verteilten ihre Kraft auf alle vier Räder und zogen uns
wie auf Kommando nach vorne. Es war ein unbeschreibliches Gefühl zu spüren wie das Auto arbeitete um freizukommen. "Danke, liebes Auto!"
Als wieder alles im grünen Bereich war, ging die Fahrt weiter und wir erreichten unser Nachtlager ohne weitere Zwischenfälle. Nach dem Einchecken in der Hütt'n, warf jeder seinen Schlafsack ins
Matratzenlager und ging zum Abendessen in d'Stubn. Das Buffett war "erste Sahne", Erbsensupp'n oder Leberkas mit Ei, ma glabt gar net, wias de do spuin konnst bei da Zusammenstellung! Guad war's
trotzdem.
Da auch Leute von Scubabro dabei waren, die ihren neuesten Computer testeten, waren wir die Ersten, die ihn in den Fingern hatten, und haben dabei viel über die Firma Scubapro erfahren. Außerdem war
noch ein Fototeam von AUTO MOTOR SPORT mit dabei, die in allen Lagen Fotos von den Teilnehmern mit ihren Fahrzeugen schossen, um einen Bericht in einer ihrer OFF ROAD Zeitung zu bringen. Diese ganze
Konstellation aller Beteiligten passte so gut zusammen, dass wir eine Wahnsinns Gaudi miteinander hatten und sehr, sehr spät ins Bett kamen.
Der nächste Morgen bescherte uns wieder einen Hochgenuss der Gaumenfreuden allerfeinster Cuisine zum Frühstück! Es gab Butter und Marmelade, dazu konnte man wählen
zwischen einer oder zwei Scheiben Brot! Bauch was willst du mehr?! Halt, Kaffee und Milch gab's noch. So gestärkt ging's dann zum zweiten See tauchen.
Da die Sicht aber durch die starken Regenfälle der letzten Wochen sehr schlecht war, beließen Andrea und ich es bei einem Tauchgang. Wir verstauten unsere Sachen wieder ordentlich im Wagen und
bereiteten alles für die Abreise vor. Die restliche Zeit nutzten wir zu einem Spaziergang am Hochplato und genossen die Aussicht und Einsamkeit hier oben. Gegen zwei Uhr Nachmittags ging der Event zu
Ende und wir fuhren wieder zurück.
Aber was machen unsere Bremsen?? Im Gelände bergab ohne Bremsen könnte mehr als interessant werden. Es wurde beschlossen, dass zwei Wagen direkt vor uns fahren und wir im Notfall auf sie drauf laufen
können. Doch die Bremsen hielten, so dass wir alle heil im Tal ankamen und jeder sich in seine Richtung nach Hause aufmachte. Zwei Tage später hatte ich einen Termin in der Autowerkstatt bekommen zum
durchchecken und beheben der Schäden. Die beiden vorderen Bremsscheiben waren gebrochen und die Bremsklötze durchgeglüht , der Bordcomputer schaltete darauf hin in ein Notprogramm, dieser hat es
ebenfalls nicht geschafft. Dazu kamen noch ein paar Ausbeularbeiten und verschiedene Flüssigkeiten die erneuert werden mussten. Nach ein paar Tagen konnte ich unser Auto zusammen mit der Rechnung
abholen. Wie hoch die war, möchte ich lieber nicht sagen, aber zusammen mit allen angefallenen Kosten vom Startgeld, über Ausrüstung bis zur Reparatur, war das Wochenende so teuer wie ein
mehrwöchiger Karibik Urlaub für zwei Personen. Trotzdem war's saugeil!
Fazit:
Die Organisatoren haben die Teams optimal zusammengestellt. Es war kein einziger Querulant dabei. Und obwohl sich keiner vorher kannte war der Umgang untereinander doch sehr vertraut. Wir wurden oft
gefragt ob sich das überhaupt lohnt und ob wir so was noch einmal machen würden?
Klar, sofort wieder!! Auf alle Fälle, denn das Erlebte kann einem keiner mehr nehmen, die Erinnerung bleibt ein Leben lang!!
Danke, Dietmar und Harald für dieses einmalige Wochenende
Robert und Andrea
Die den "heißesten Reifen" der Tour fuhren
Alle Fotos sind Eigentum von Robert und Andrea(Haftung für Fotos und Inhalt durch den jeweiligen Verfasser!)
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